...I had not thought of Spinoza for a long time, and now I was driven to him by an attack upon him. In our library I found a little book, the author of which railed violently against that original thinker; and to go the more effectually to work, had inserted for a frontispiece a picture of Spinoza himself, with the inscription: "Signum reprobationis in vultu gerens" bearing on his face the stamp of reprobation. This there was no gainsaying, indeed, so long as one looked at the picture; for the engraving was wretchedly bad, a perfect caricature; so that I could not help thinking of those adversaries who, when they conceive a dislike to any one, first of all misrepresent him, and then assail the monster of their own creation. This little book, however, made no impression upon me, since generally I did not like controversial works, but preferred always to learn from the author himself how he did think, than to hear from another how he ought to have thought. Still, curiosity led me to the article "Spinoza," in Bayle's Dictionary, a work as valuable for its learning and acuteness as it is ridiculous and pernicious by its gossiping and scandal. The article "Spinoza" excited in me displeasure and mistrust. In the first place, the philosopher is represented as an atheist, and his opinions as most abominable; but immediately afterwards it is confessed that he was a calmly reflecting man, devoted to his studies, a good citizen, a sympathizing neighbour, and a peaceable individual. The writer seemed to me to have quite forgotten the words of the gospel: "By their fruits ye shall know them," for how could a life pleasing in the sight of God and man spring from corrupt principles? I well remembered what peace of mind and clearness of ideas came over me when I first turned over the posthumous works of that remarkable man. The effect itself was still quite distinct to my mind, though I could not recall the particulars; I therefore speedily had recourse again to the work? to which I had owed so much, and again the same calm air breathed over me. I gave myself up to this reading, and believed, while I looked into myself, that I had never before so clearly seen through the world. [Original in German: ...Ich hatte lange nicht an Spinoza gedacht, und nun ward ich durch Widerrede zu ihm getrieben. In unsrer Bibliothek fand ich ein Büchlein, dessen Autor gegen jenen eigenen Denker heftig kämpfte und, um dabei recht wirksam zu Werke zu gehen, Spinozas Bildnis dem Titel gegenübergesetzt hatte mit der Unterschrift: »Signum reprobationis in vultu gerens«, daß er nämlich das Zeichen der Verwerfung und Verworfenheit im Angesicht trage. Dieses konnte man freilich bei Erblickung des Bildes nicht leugnen, denn der Kupferstich war erbärmlich schlecht und eine vollkommne Fratze; wobei mir denn jene Gegner einfallen mußten, die irgend jemand, dem sie mißwollen, zuvörderst entstellen und dann als ein Ungeheuer bekämpfen. Dieses Büchlein jedoch machte keinen Eindruck auf mich, weil ich überhaupt Kontroversen nicht liebte, indem ich immer vorzog, von dem Menschen zu erfahren, wie er dachte, als von einem andern zu hören, wie er hätte denken sollen. Doch führte mich die Neugierde auf den Artikel »Spinoza« in Bayles Wörterbuch, einem Werke, das wegen Gelehrsamkeit und Scharfsinn eben so schätzbar und nützlich als wegen Klätscherei und Salbaderei lächerlich und schädlich ist. Der Artikel Spinoza erregte in mir Unbehagen und Mißtrauen. Zuerst wird der Mann als Atheist, und seine Meinungen als höchst verwerflich angegeben; sodann aber zugestanden, daß er ein ruhig nachdenkender und seinen Studien obliegender Mann, ein guter Staatsbürger, ein mitteilender Mensch, ein ruhiger Particulier gewesen; und so schien man ganz das evangelische Wort vergessen zu haben: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! – denn wie will doch ein Menschen und Gott gefälliges Leben aus verderblichen Grundsätzen entspringen? Ich erinnerte mich noch gar wohl, welche Beruhigung und Klarheit über mich gekommen, als ich einst die nachgelassenen Werke jenes merkwürdigen Mannes durchblättert. Diese Wirkung war mir noch ganz deutlich, ohne daß ich mich des Einzelnen hätte erinnern können; ich eilte daher abermals zu den Werken, denen ich so viel schuldig geworden, und dieselbe Friedensluft wehte mich wieder an. Ich ergab mich dieser Lektüre und glaubte, indem ich in mich selbst schaute, die Welt niemals so deutlich erblickt zu haben.]